Doppelte Bischofsweihe in Bagdad

Kardinal-Patriarch Mar Louis Raphael Sako weiht am 18. Jänner den neuen chaldäischen Erzbischof von Mosul und einen Weihbischof für Bagdad

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Foto ©: Mar Louis Raphael I Sako / Facebook

Bagdad, 17.01.19 (poi) Für die chaldäische Kirche, alle Christen im Irak und die „Menschen guten Willens“ im Zweistromland ist Freitag, 18. Jänner, ein besonderer „Tag des Festes“. Denn Kardinal-Patriarch Mar Louis Raphael Sako weiht zwei neue Bischöfe für seine Kirche: Den Dominikanerpater Michael Najeeb Moussa als neuen Erzbischof von Mosul und P. Robert Jarjis als Weihbischof für Bagdad. Die doppelte Bischofsweihe sei eine „Bestätigung der Dynamik und der Vitalität“ der christlichen Gemeinschaft, die imstande sei, „die tausend Herausforderungen zu bewältigen, die sich ihr tagtäglich präsentieren“, stellte der Kardinal-Patriarch im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“ fest. Die Ernennung und Weihe von Michael Najeeb Moussa habe für Mosul besondere Bedeutung, sie sei „Quelle der Hoffnung“ für die nach der Besetzung durch die IS-Terroristen und die opferreiche Befreiung am Boden liegende Stadt. Auch viele Muslime hätten ihm mitgeteilt, wie froh sie seien, dass es in der Tigris-Metropole wieder eine christliche Autorität gebe. Der neue Erzbischof müsse ein Unterpfand des „Vertrauens auf die Zukunft“  in einer Umgebung sein, die nur mühevoll die Spuren enormer Zerstörung überwinde. Erzbischof Moussa – der aus Mosul stammt, wo er 1955 geboren wurde – stehe vor einer „ungeheuren Herausforderung“, die große Verantwortung mit sich bringe, so Mar Louis Raphael Sako. Aber der Bischof könne viel erreichen, weil er die Wirklichkeit Mosuls gut kenne und über ein dichtes Netz persönlicher Verbindungen und Freundschaften verfüge.

Als zentrale Akzente der Tätigkeit des neuen Erzbischofs bezeichnete der Patriarch die Versöhnung und die Wiederherstellung des Vertrauens unter der Stadtbevölkerung, das durch die Gewalttätigkeit der IS-Terroristen und deren fundamentalistische Ideologie verlorengegangen sei. „Versöhnung und Vertrauen im Zusammenhang eines dauerhaften Friedens“, fasste Mar Louis Raphael Sako die Aufgabenstellung des chaldäischen Erzbischofs der Tigris-Metropole zusammen. Es gehe aber nicht nur um den Dialog mit den Muslimen, sondern auch um die Wiedergewinnung des seit dem 1. Jahrhundert zutiefst mit dem Christentum verbundenen Profils von Mosul: „Einige der Kirchen, die wiederherzustellen sind, gehören zu den ältesten der Christenheit. Sie sind Teil des Lebens und der Geschichte der Stadt“.

Der chaldäische erzbischöfliche Sitz von Mosul war seit 2015 vakant, nachdem der damalige Erzbischof Emil Shimoun Nona zum Oberhaupt der chaldäischen Katholiken in Australien ernannt worden war. In Australien gibt es eine große chaldäische Diasporagemeinde, Erzbischof Nona war in Mosul Nachfolger des Märtyrer-Bischofs Paulos Faraj Rahho, der von Islamisten im Jahr 2008 ermordet wurde. Michael Najeeb Moussa wurde als der Retter der christlichen Manuskripte des mesopotamischen Raums weltbekannt, die für die ganze Christenheit von größter Bedeutung sind. Als die IS-Terroristen 2014 Mosul überfielen und Armee und Polizei ihr Heil in der Flucht suchten, sorgte P. Moussa in Erbil nicht nur für die Flüchtlinge aus der Stadt am Tigris, sondern auch für die Evakuierung der kostbaren christlichen Manuskripte. Seine Erfahrungen schilderte der Dominikanerpater in dem 2017 auf französisch erschienenen Buch „Sauvez les livres et les hommes“ (Rettet die Bücher und die Menschen). Zur Bewahrung des christlichen Erbes im Orient gründete der Dominikaner im Irak ein eigenes Zentrum, das antike Manuskripte und sonstige Dokumente digitalisiert und so für die Nachwelt erhält.

Gemeinsam mit Moussa wird auch der 45-jährige Robert Jarjis zum Bischof geweiht. Er absolvierte vor dem Theologiestudium eine Ausbildung zum Tierarzt. Sieben Jahre war er Pfarrer in der Maria Himmelfahrt-Gemeinde im Bagdader Stadtteil Mansour, seit wenigen Monaten Dompfarrer an der Josefskathedrale der irakischen Hauptstadt.

Für den Kardinal-Patriarchen ist die doppelte Bischofsweihe am Freitag ein Zeichen für die allgemeine Verbesserung der Situation im Irak. Freilich seien die Probleme im Bereich der Wirtschaft, vor allem die Arbeitslosigkeit, geblieben. Aber es gebe positive Entwicklungen wie die kontinuierliche Rückkehr der christlichen Vertriebenen und Flüchtlinge nach Mosul und in die Kleinstädte und Dörfer der Ninive-Ebene.

Im Interview mit „AsiaNews“ kam  Mar Louis Raphael Sako auch auf seine Begegnung mit dem iranischen Außenminister Mohammad Javad Zarif am 14. Jänner zu sprechen: „Wir haben über den Frieden und das Zusammenleben gesprochen, über die Rolle der Christen im Iran, die in Persien vor der Ankunft des Islam große Bedeutung hatten. Javad Zarif ist ein Mann des Dialogs, er kann zuhören. Und er hat seine Sorge über das Embargo nicht verhehlt, das vor allem die Zivilbevölkerung trifft, das haben wir auch im Irak erlebt“.