Fünf-Jahres-Gedenken an die in Libyen ermordeten koptischen Märtyrer

Koptisch-katholischer Bischof betont, dass die Märtyrer für alle Christen Ägyptens zu Vorbildern geworden sind und damit auch zur Einheit der Kirchen Ägyptens beigetragen haben

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Foto: © Hierarchicus2 (Quelle: Wikipedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Kairo, 15.02.20 (poi) In der neuen „Kathedrale der Märtyrer des Glaubens“ im oberägyptischen Dorf Al Ur bei Samalut wurde am Samstag, 15. Februar, der jungen koptischen Arbeitsmigranten gedacht, die vor fünf Jahren von islamistischen Terroristen in Libyen ermordet wurden. Hätten die jungen Männer – 20 ägyptische Kopten und ein ghanaischer Christ – ihren Glauben verleugnet, wären sie mit dem Leben davongekommen. Sie taten es nicht, sondern starben mit der Anrufung „Herr Jesus Christus“ auf den Lippen. Nachdem die Bluttat der Islamisten bekannt geworden war, veranlasste der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. sofort, dass die Namen der Märtyrer im „Synaxarion“ eingetragen werden, dem östlichen Äquivalent des römischen Martyrologiums. Damit können sie als Heilige verehrt werden. Dreizehn der Märtyrer kamen aus dem Dorf Al Ur, die dortige „Kathedrale der Märtyrer“ ist heute ein wichtiges Pilgerziel für die Kopten.

Bischof Pachomios (Hani), der Sprecher der koptisch-katholischen Kirche, sagte im Interview mit „Radio Vatikan“: „Wir haben vor fünf Jahren wirklich die Macht des Bösen gesehen, und wie weit sie gehen kann. Das war nicht nur Mord, nicht nur Terrorismus, das war das Offenbarwerden eines völligen Mangels an Menschlichkeit. Diese Mörder handelten nicht nur im Namen einer Ideologie, sondern sie prahlten auch noch mit ihrer Tat… Mir war, als würde man in diesem Moment in einen Abgrund der Unmenschlichkeit blicken.“ Doch der Glaube zeige, dass Gott auch in dunklen Momenten „etwas Gutes bewirken“ könne, so der Bischof. „Wir haben gesehen, dass diese Märtyrer, die ihr Leben für ihren Glauben gegeben haben, nun für andere Menschen zu Vorbildern, zu Modellen geworden sind. Sie sind auch ein Grund für die Einheit aller Kirchen Ägyptens geworden – und nicht nur Ägyptens. Die Nachricht von ihrem Martyrium hat wirklich eine Evangelisierung bewirkt und ist in der ganzen Welt angekommen: Jeder spricht über diese 21 jungen Leute, die ihr Leben gegeben haben. Das stärkt unser Vertrauen auf das ewige Leben, das jetzt schon für uns angefangen hat. Diese jungen Männer haben ihr Blut vergossen, aber dieses Blut hat den Boden fruchtbar gemacht“. Bischof Pachomios sieht es als ein „moralisches Wunder“, dass Menschen durch den Tod in der Lage sind, den Glauben zu verkünden, wie das bei den 21 Märtyrern der Fall ist.

In dem mit der “Kathedrale der Märtyrer” verbundenen Museum wurde zum 5. Jahrestag der Ermordung der Glaubenszeugen eine neue Ausstellung eröffnet, die das Schicksal der 21 von ihrer Entführung in Libyen bis zum Transfer der Leichen in die ägyptische Heimat zeigt. In einem Interview mit dem “Kirche in Not”-Pressedienst sagte die Mutter von zwei Märtyrern – des 22jährigen Samuel und des 24jährigen Bischoy -, sie sei stolz auf die beiden: “Sie sind jetzt unsere Fürsprecher im Himmel”. Sie bete aber auch für die Terroristen, “damit Gott sie erleuchtet und sie zur Wahrheit, zum Guten und zur Buße führt”.

Der in Al Ur tätige Priester Abu Fanus Unan wurde in dem “Kirche in Not”-Bericht mit der Feststellung zitiert: “Unsere Märtyrer, die sich geweigert haben, Jesus Christus zu verleugnen, stärken unseren Glauben”.