Sorge um das Kloster Gandsassar in Artsach

Das Kloster gilt als eines der Meisterwerke armenischer Architektur – Es war jahrhundertelang Sitz des Katholikos der kaukasischen Albaner

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Foto: © Mardanyan Aleksandr (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Jerewan-Wien, 01.10.20 (poi) In der armenischen Diaspora wächst die Sorge um das berühmte Kloster Gandsassar in Artsach (Berg-Karabach). Gandsassar liegt 30 Kilometer nordwestlich von Stepanakert, der Hauptstadt von Artsach. Das Kloster ist heute Sitz des armenisch-apostolischen Erzbischofs von Artsach, war aber lange Zeit Sitz eines eigenen Katholikos, der das Haupt einer autokephalen Teilkirche der armenisch-apostolischen Kirche war. Diese Teilkirche war Erbin des ursprünglichen autokephalen Katholikosats der kaukasischen Albaner, der christlichen Vorfahren der heute als islamisch geltenden Azerbaidschaner. In Azerbaidschan gibt es eine Restminorität der einstigen Albaner, ihre Sprache wird als udische Sprache bezeichnet. Sie sind Christen, in jüngster Zeit war ein langsamer Wiederaufbau des kirchlichen Lebens in den udischen Dörfern im westlichen Azerbaidschan möglich.

Das Kloster Gandsassar wurde vom Gründer der Dynastie der Hasan-Dschalalian im Jahr 1216 gestiftet. Im Kloster befindet sich die Kirche des Heiligen Johannes des Täufers,  die zwischen 1216 und 1238 erbaut wurde. Der Klosterkomplex im Chatschen-Tal wird von hohen Mauern geschützt. Das Kloster wurde aus rotem Tuff erbaut, der sich vom grünen Hintergrund des Bergwaldes deutlich abhebt. Die Außenwände der Kirche sind mit Basreliefs verziert, die die Kreuzigung Jesu, Adam und Eva sowie zwei Bischöfe darstellen, die ein Modell der Kirche über ihren Köpfen halten. Diese Reliefs werden in ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung mit denen von Akhtamar im Van-See verglichen; insgesamt wird das Kloster zu den Meisterwerken der armenischen Architektur und Skulptur gezählt. Während des Artsach-Krieges wurde das Kloster 1991 durch azerbaidschanischen Beschuss beschädigt, das kirchliche Leben im Kloster ging aber weiter.

Von etwa 1400 bis 1816 war das Kloster Sitz des Katholikos von Aghwank. Auf Grund des Namens wird vermutet, dass die Anfänge des Klosters mit der Frühzeit des Christentums im kaukasischen Albanien in Verbindung  stehen. Der Katholikos von Albanien hatte die Jurisdiktion über die historischen armenischen Provinzen Artsach und Utik und das kaukasische Albanien bis zum Kaspischen Meer inne. Im 13./14. Jahrhundert wurde vom Katholikos von Aghwank auch in Sarai, der Hauptstadt des Reiches der Goldenen Horde, eine Diözese gegründet. Ab dem 14./15. Jahrhundert residierte der albanische Katholikos im Kloster Gandsassar auf dem Territorium des Hauses Hasan-Dschalalian; dieser Dynastie entstammten dann auch die meisten Inhaber des katholikalen Amtes. Trotz Neugründung eines armenischen Katholikats in Etschmiadzin 1441 erstarkte der „Heilige Stuhl von Gandsassar“ Anfang des 18. Jahrhunderts und galt für eine Zeit in Russland als wichtigster Repräsentant der armenischen Christenheit im Osten. Nach dem Russisch-Persischen Krieg wurde 1815 der albanische Katholikos Sargis Hasan-Dschalalian († 1827/8) auf Betreiben des Katholikos von Etschmiadzin durch die russischen Behörden zum Metropoliten herabgestuft. Bei der Neuordnung des armenischen Kirchenwesens durch Zar Nikolaus I. 1836 wurde das Territorium des früheren Katholikosats auf verschiedene Diözesen aufgeteilt. 1914 besaß die armenische Diözese Artsach 222 Kirchen und Klöster mit 188 Klerikern und 206.000 Gläubigen in 224 Ansiedlungen.