Fackelmarsch für Pater Dall’Oglio in Rom

Vor Santa Maria Maggiore wurde des 2013 in Syrien von IS-Terroristen entführten Jesuiten gedacht – Vor wenigen Tagen waren Gerüchte aufgetaucht, dass der Ordensmann am Leben ist

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Foto: © Fritzbokern (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Rom-Damaskus, 14.02.19 (poi) Wenige Tage nach dem Auftauchen von Gerüchten, wonach der von den IS-Terroristen in Syrien entführte Jesuitenpater Paolo Dall’Oglio am Leben sei, wurde von der Vereinigung „Journalistische Freunde von P. Dall’Oglio“ am Mittwochabend in Rom ein Fackelmarsch für den Jesuiten „und alle Entführungsopfer in Syrien“ veranstaltet. Der Fackelmarsch startete auf dem Esquilin, vor der Basilika Santa Maria Maggiore. P. Dall’Oglio war am 29. Juli 2013 in er-Rakka verschwunden, als er mit IS-Leuten Verhandlungen über eine Freilassung der beiden entführten Metropoliten von Aleppo, Mor Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi, führen wollte. „Lieber Paolo, wir bitten Dich um Entschuldigung, dass wir erst mit 2.000 Tagen Verspätung diese Manifestation veranstalten“, hieß es auf einem der Transparente, die am Esquilin zu sehen waren. Die Worte waren auch in einem fiktiven Brief an den entführten Jesuiten enthalten.

An dem Fackelmarsch beteiligten sich katholische, orthodoxe und evangelische Christen, Muslime und Agnostiker. Auch eine Gruppe von syrischen Flüchtlingen nahm teil, die durch die gemeinsame Initiative der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio und der evangelischen Kirchen Italiens über die „humanitären Korridore“ nach Italien gekommen war. Die Fackeln auf dem Esquilin seien auch für jene tausenden von Syrern entzündet worden, die in den letzten Jahren das Schicksal von P. Dall’Oglio geteilt hätten, die ebenso wie er vergessen und verdrängt worden seien, hieß es auf Transparenten. Die Geschichte des von Assad vertriebenen und von den IS-Terroristen entführten Jesuiten sei die Geschichte des syrischen Volkes, das in alle Winde zerstreut und von den Terroristen unterdrückt worden sei.

In dem fiktiven Brief an P. Dall’Oglio wurde auch auf das vor wenigen Tagen in Abu Dhabi von Papst Franziskus und dem Großimam der Al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyeb, unterzeichnete Dokument über die „Brüderlichkeit der Menschen“ Bezug genommen. Dieses Dokument sei die „Therapie“ für die Krankheit des Hasses und der Unmenschlichkeit. Die gemeinsame Zurückweisung der „identitären Krankheit“ der säkularen Pseudoreligionen sei das eigentliche „Wunder von Abu Dhabi“.

Riccardo Cristiano, einer der Gründer der Vereinigung „Journalistische Freunde von P. Dall’Oglio“, nahm Bezug auf den Titel des 2012 erschienenen letzten Buches von P. Dall’Oglio „Zorn und Licht“: „In uns ist Zorn darüber, dass wir seine Warnungen nicht verstanden haben und das Licht seines Zeugnisses“. Umso mehr sei es notwendig, sich jetzt dafür einzusetzen, dass „die Geschichte einen anderen Verlauf nimmt“.

Eine der Schwestern des Jesuiten – Immacolata – sagte auf dem Esquilin, dass ihr Bruder aus Rührung weinen würde, wenn er die Solidarität der vor der Basilika versammelten Menschen sehen könnte. Das Entscheidende sei, dass es für den Syrien-Konflikt eine menschliche Lösung geben müsse, eine Lösung, die „die Menschlichkeit des anderen“ respektiert, um die eigene Menschlichkeit bewahren zu können, wie es Paolo Dall’Oglio immer gefordert habe.