Irak: Papstbesuch soll neue Politik im Sinn der Menschenrechte auslösen

Memorandum des chaldäisch-katholischen Erzbischofs von Basra – „Christen müssen endlich als Bürger anerkannt werden, die den islamischen Bewohnern des Irak ‚an Würde und Rechten‘ gleich sind“

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Foto: © : Casa Rosada (Argentina Presidency of the Nation), Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic) )

Bagdad, 17.07.19 (poi) Der geplante Besuch von Papst Franziskus müsse für den offiziellen Irak der Anlass sein, endlich mit der Verteidigung der Menschenrechte ernst zu machen. Dies betont der chaldäisch-katholische Erzbischof von Basra, Habib al-Naufali,  in einem von „AsiaNews“ veröffentlichten Memorandum. Die Christen müssten endlich als Bürger anerkannt werden, die den islamischen Bewohnern des Iraks „an Würde und Rechten“ gleich sind, so der Erzbischof. Allzu oft seien die Christen bisher als „Bürger zweiter Klasse“ behandelt worden, mitunter sogar als „Ungläubige“. Auch in der Lokalpolitik müsse Gleichheit herrschen, vor allem in der Ninive-Ebene, „wo die Mehrheit der Bewohner christlich ist“. Es sei von vitaler Bedeutung, „immer die nationale Einheit im Blick zu haben“, die gleichmäßige Verteilung des Reichtums und die Implementierung einer guten Politik „im Hinblick auf die Menschenrechte“.

Zur Religionsfreiheit gehöre auch die Freiheit, die Feste, die Traditionen, die örtlichen Bräuche der Christen zu bewahren, betont der Erzbischof. Dabei sei es wünschenswert, dass die „nationalen Medien“, vor allem die großen TV-Sender, entsprechend über diese Anlässe berichten. Ein besonderes Anliegen ist Erzbischof al-Naufali die Überwindung des Widerspruchs im Artikel 2 der irakischen Verfassung. Dort heiße es einerseits, dass der Islam die offizielle Religion des Staates sei und die Quelle des Rechts darstelle, daher müsse jedes Gesetz der islamischen  Lehre entsprechen. Andererseits werde festgehalten, dass keine Gesetze verabschiedet werden dürfen, die den Prinzipien der Demokratie widersprechen. Ebenso verweist der Erzbischof auf die Probleme mit dem Artikel 26 des irakischen Personenstandsgesetzes, demzufolge die Kinder der Religion jenes Elternteils folgen müssen, der sich dem Islam zuwendet. Diese Bestimmung richte sich gegen die nicht seltenen Fälle, in denen christliche Frauen muslimische Männer ehelichen.

Der Erzbischof von Basra fordert auch von den irakischen Lehrplänen und Schulbüchern, dass sie Gleichheit und Religionsfreiheit in den Mittelpunkt stellen. Derzeit sei die reiche 2.000-jährige Geschichte des Christentums im Zweistromland in den irakischen Schulbüchern überhaupt nicht präsent. Es sei auch Aufgabe des Staates, die religiösen Institutionen aller Konfessionen auf die Förderung von Gerechtigkeit, Gleichheit und Menschenwürde zu verpflichten. Es müsse eine „ständige und aufmerksame“ Beobachtung aller Strömungen geben, die Hass, Spaltungen und Diskriminierung fördern. Die Gesetzgebung habe entsprechende Strafen für Einzelne und Organisationen festzulegen, die „den Terrorismus finanzieren oder die Gewalt ermutigen“.

Auch sozio-ökonomische Aspekte werden im Memorandum des Erzbischofs von Basra behandelt. Erzbischof al-Naufali tritt für ein Wohnbauprogramm ein, das vor allem Angehörige finanziell schlechter gestellter Gruppen ermutigen würde, im Land zu bleiben „statt an Emigration zu denken“. Ebenso sollte es ein Arbeitsbeschaffungsprogramm geben, wobei diskriminierende Eingriffe von Seiten von Regierungsstellen oder islamistischer Organisationen zu unterbinden seien. Der Erzbischof von Basra plädiert auch für eine Initiative zum „Wiederaufbau der Infrastruktur“, um das Wirtschaftswachstum in Gang zu bringen.