Nationale Kathedrale in Bukarest wurde am Sonntag von den Patriarchen Bartholomaios I. und Daniel geweiht

Treffen des Ökumenischen Patriarchen mit den Mitgliedern des Heiligen Synods der rumänisch-orthodoxen Kirche – Endgültiger Abschluss der Bauarbeiten erst 1924

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Foto: © Massimo Finizio (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Bukarest, 25.11.18 (poi) Die neue Nationale Kathedrale in Bukarest wurde am Sonntagmorgen vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und dem rumänisch-orthodoxen Patriarchen Daniel feierlich geweiht. Der Altar wurde gesalbt und die aus Mosaiken bestehende Ikonostase gesegnet. Im Anschluss feierte Bartholomaios I. in Konzelebration mit Patriarch Daniel und den Mitgliedern des Heiligen Synods der rumänisch-orthodoxen Kirche die Göttliche Liturgie. An den liturgischen Feiern nahmen rund 30.000 Personen teil. Am Schluss der Göttlichen Liturgie dankte Bartholomaios I. für den Segen und die Gnade Gottes, die spürbar geworden seien. Der Arsenal-Hügel, auf dem die Nationale Kathedrale erbaut ist, sei nun ein Hügel der „Gnade und des Segens“ geworden. In herzlichen Worten wünschte der Ökumenische Patriarch dem rumänisch-orthodoxen Patriarchen, den Bischöfen, Priestern und Regierungsmitgliedern „sowie allen anderen gläubigen Söhnen und Töchtern der rumänischen Kirche langes Leben, physische und spirituelle Gesundheit“. An Patriarch Daniel überreichte Bartholomaios I. eine Ikone der „Himmelfahrt des Herrn“, die im Athos-Kloster Xenofontos geschrieben worden ist. Patriarch Daniel sagte, er danke der Fürsprache des Heiligen Apostels Andreas, die geholfen habe, den Bau der Kathedrale zu vollenden. Der Heilige helfe, so „zu denken und zu arbeiten“ wie er und in der Gegenwart missionarisch zu sein, wie der Apostel es im 1. Jahrhundert war.

Die Bauarbeiten an der Kathedrale gehen noch weiter, der definitive Abschluss ist erst für 2024 vorgesehen. Das gewaltige Bauprojekt – der zentrale Glockenturm ist 120 Meter hoch – ist in der rumänischen Öffentlichkeit wegen der Kosten auch auf Kritik gestoßen. Die Baukosten waren ursprünglich mit 80 Millionen Euro präliminiert, haben aber bereits die Grenze von 110 Millionen überschritten. 75 Prozent der Kosten werden aus dem Staatshaushalt gedeckt. Die Kritiker benützten – wie immer, wenn es um große Kirchenbauten geht – das Argument, man hätte das Geld lieber für den Ausbau des Gesundheits- und Sozialwesens ausgeben sollen. Das Patriarchat antwortete darauf, dass Rumänien eine repräsentative Nationale Kathedrale brauche, die „Glauben, Freiheit und Würde des Volkes“ symbolisiert. Die Kathedrale versteht sich auch als Memorial zu Ehren all jener, die für Freiheit, Einheit und Würde des rumänischen Volkes ihr Leben gegeben haben.

Am Samstag hatte der Ökumenische Patriarch vor dem Heiligen Synod der rumänisch-orthodoxen Kirche eine kirchenpolitisch bedeutsame Rede gehalten. Dabei nahm Bartholomaios I. vor allem auf das Konzil von Kreta und auf die kirchliche Situation in der Ukraine Bezug. Unter Bezugnahme auf den Tagungsort sagte der Ökumenische Patriarch, die Synodalhalle sei der Platz, wo die Tradition der Apostel und der Kirchenväter geehrt werde wie auch die „Konziliarität“ der kirchlichen Organisation „gemäß der apostolischen Tradition und Anordnung“.

Im Hinblick auf das „Heilige und Große Konzil“ von Kreta betonte Bartholomaios I., dass es sich um einen historischen Augenblick gehandelt habe, an dem die Orthodoxie eine Glaubensprüfung im Hinblick auf die evangelische Wahrheit über die Kirche als Leib Christi und über die synodale Tradition zu bestehen hatte. Der Ökumenische Patriarch dankte seinem rumänischen Amtsbruder für dessen Engagement beim Konzil, seine theologische Weisheit und die „aufrichtige, intelligente, brillante und erfahrene Art und Weise“ seiner Beteiligung.

Zur Ukraine-Frage brachte der Ökumenische Patriarch die Hoffnung zum Ausdruck, dass sich die rumänisch-orthodoxe Kirche einbringen werde, um die kirchliche Einheit und Rechtschaffenheit zu bewahren. Um des Heils von Millionen gläubiger Christen willen habe sich das „mütterliche Herz der Kirche von Konstantinopel“ zu einem Opfer entschlossen. Wörtlich sagte Bartholomaios I.: „Wir hoffen auf Gottes Hilfe, dass der Vereinigungsprozess der getrennten Gruppen bald beendet sein wird, um den patriarchalen und synodalen Tomos für die Kirche der Ukraine verabschieden zu können, die damit die neueste autokephale Schwesterkirche wird“.

Patriarch Daniel hatte in seiner Begrüßung hervorgehoben, wie sehr er die Anstrengungen des Ökumenischen Patriarchen schätze, im Kontext der Welt von heute die administrative Freiheit der autokephalen orthodoxen Kirchen und die Synodalität und panorthodoxe Gemeinschaft zu bewahren – „in der Verbindung von Freiheit und Verantwortung zum Wohl der Kirche Christi“. Seit den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen von 1989 fühle das rumänische orthodoxe Volk in besonderer Weise die Notwendigkeit der panorthodoxen Gemeinschaft. Wörtlich fügte Patriarch Daniel hinzu: „Im Licht brüderlicher Gemeinschaft und pastoraler Mitverantwortung für das Wohl der Orthodoxie bitten wir Gott, Eurer Heiligkeit seine reichen Gaben zu schenken und Sie weiterhin darin zu bestärken, in dieser zunehmend säkularisierten, fragmentierten und beunruhigenden Welt ein sorgfältiger Missionar und Botschafter und ein unermüdlicher Förderer der Einheit der zeitgenössischen Orthodoxie zu sein“.

Bereits am Freitag hatte Bartholomaios I. sowohl den griechischen Botschafter Vassilis Papadopoulos als auch den türkischen Botschafter Osman Koray Ertas aufgesucht. In seiner Ansprache bei der offiziellen Begrüßung in der alten Patriarchenkathedrale St. Konstantin und Helena betonte der Ökumenische Patriarch die guten kirchlichen Beziehungen zwischen Bukarest und Konstantinopel. Die Erbauung der Nationalen Kathedrale entspreche einem doppelten Versprechen des rumänischen Volkes: Dank für die Gewinnung der Freiheit, die beim Berliner Kongress 1878 bestätigt wurde, und Dank für die „Große Union“ von 1918, mit der Großrumänien geschaffen wurde. Jetzt, nach 140 Jahren, hätten die „würdigen Söhne und Töchter der seligen Vorfahren“ mit dem Bau der neuen Kathedrale dieses Versprechen erfüllt.

Jahrhunderte hindurch seien die Kirchen von Bukarest und Konstantinopel in den „liebenden Armen der gemeinsamen Kirche, des Ökumenischen Patriarchats“, als eine Herde vereint gewesen, erinnerte der Patriarch. 1885 habe die rumänische Kirche durch einen Tomos des damaligen Ökumenischen Patriarchen Joachim IV. die Autokephalie erhalten. Weder in Bukarest noch in Konstantinopel habe man diese Autokephalie als eine „Entfremdung“ verstanden. So etwas hätte eine Aufhebung der fundamentalen Prinzipien der orthodoxen Ekklesiologie, ja einen Abfall vom Glauben bedeutet. Ein Beweis der Zuneigung der Kirche von Konstantinopel zur rumänisch-orthodoxen Kirche sei die Tatsache, dass der rumänische Patriarch auch Metropolit von Caesarea (Kayseri), der Hauptstadt Kappadokiens, ist. (Die Metropolie Kayseri spielt in der Organisation des Ökumenischen Patriarchats eine wichtige Rolle, jedoch mussten nach dem Vertrag von Lausanne 1923 sowohl die griechischsprachigen als auch die türkischsprachigen (Karamanli) orthodoxen Christen die Provinz verlassen).

Am Samstag besuchte Bartholomaios I. das rumänisch-orthodoxe Medienzentrum „Basilica“. Der Ökumenische Patriarch würdigte die Organisation des im Oktober 2007 von Patriarch Daniel begründeten Medienzentrums. Das Zentrum umfasst „Radio Trinitas“, „Trinitas TV“, die Zeitung „Lumina“, die Nachrichtenagentur „Basilica News“ und die Pressestelle des Patriarchats.